Fensterläden – Form und Funktion für die Fassade.
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Der Nachhaltigkeitsmanager Klaus Hildenbrand

factor Y1 Der Schmetterling ist ein guter Freund des Schreiners, vor allem wenn dieser sich auf den Bau von Fensterläden spezialisiert hat. Klaus Hildenbrand, der sich als Schreinermeister und Holztechniker auf diesen Bereich konzentriert, lobt ihn wegen seiner Fähigkeiten, Energie effizient zu nutzen: Solange die Sonneneinstrahlung gering ist, faltet der Schmetterling seine Flügel zusammen, damit die Sonnenstrahlen direkt auf den Körper treffen und ihn wärmen. Wird die Einstrahlung stärker, stellt er seine Flügel flach, um die Oberfläche zu vergrößern, die Sonne stärker zu reflektieren und auch mehr Körperwärme abzugeben. „Ich gehe davon aus, dass die Natur schon einiges optimiert hat, das wir noch lernen können“, meint Hildenbrand, 1994 die Leitung des Familienbetriebs von seinem Vater übernommen hat.

Damit ein Fensterladen mit seinem natürlichen Vorbild mithalten kann, muss er im Vergleich zum herkömmlichen Klappladen beweglicher werden: Er wird nicht vertikal bewegt, von den Seiten her vor das Fenster geklappt, gerollt oder auch geschoben, sondern von oben nach unten, horizontal also. „Horizontalfaltladen“ heißt dem entsprechend das passende Produkt aus Klaus Hildenbrands Werkstatt. Es zeichnet sich neben einer optimalen Funktionalität auch durch Oberflächen aus, die gegen Witterungseinflüsse geschützt werden, ohne sie mit giftigen Farben oder Pflegemittel (Bioziden) zu behandeln.

Fensterläden zur Stromerzeugung

Mit alldem hat der Faltladen jedoch keineswegs sein ganzes Potenzial an Umweltfreundlichkeit ausgeschöpft. „Der Faltladen kann auch als Solaranlage zur Stromerzeugung genutzt werden“, umreißt Klaus Hildenbrand seine neueste Produktentwicklung. Bisher fehlten für den „Solarladen“ die passenden Fotovoltaik-Module, weil es nur solche Solarbauteile gab, die für großflächige Anlagen gedacht waren. „Im Moment sind wir mit drei Herstellern im Gespräch, um kleinere Elemente herzustellen, die für den Einsatz als Fensterläden geeignet sind“, berichtet er.

Ideenwerkstatt

Das Beispiel dieser Fensterladenentwicklung zeigt, wie intensiv sich Klaus Hildenbrand um den Gesundheitsschutz und einen sparsamen Umgang mit Ressourcen bemüht. Es zeigt sich aber auch, dass sich die hilbra GmbH zunehmend vom Produktionsbetrieb zu einer kreativen Ideenschmiede mausert: „Die Produktentwicklung wird immer mehr zum Thema“, sagt ihr Geschäftsführer. Uns diese soll systematisch betrieben werden. Dabei setzt er auf TRIZ, was eine Abkürzung aus dem Russischen ist und soviel bedeutet wie „Theorie des erfinderischen Problemlösens“. Diese Methodik wurde von dem russischen Patentanwalt Genrich Saulowitsch Altschuller kurz nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt. Er wertete 200 000 Patentschriften aus, leitete daraus die methodische Überwindung von Widersprüchen ab und formulierte entsprechende Lösungsstrategien.

Schon immer hat es den 1964 geborenen Klaus Hildenbrand besondere interessiert, angelesene Theorie in die Praxis umzusetzen. Wie der Hinweis auf den Schmetterling zeigt, genießt dabei die Bionik seine besondere Sympathie. Sie bemüht sich, Verfahren und Funktionsweisen der Natur zu entschlüsseln, um sie als menschliche Technik nachzubauen. Hinsichtlich der wissenschaftlichen Konzepte zur Verbindung ökologischer, ökonomischer und sozialer Gesichtspunkte unternehmerischer Tätigkeit, haben schon vor Jahren die Forschungen den Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie sein Interesse geweckt. MIPS (Materialinput pro Serviceeinheit), das hier entwickelte Verfahren, mit dem sich berechnen lässt, welchen Ressourcenverbrauch ein bestimmtes Produkt hat, war genau das, was seinen Vorstellungen entsprach: „MIPS hat mich begeistert“, sagt Hildenbrand, der auch Im Vorstand des „Club of Wuppertal“ mitwirkt, einem Forum, das sich dem Austausch von Forschung und mittelständischen Unternehmen in Sachen Zukunftsfähiges Wirtschaften widmet.

Zukunftspass

Auf der Basis von MIPS bietet Hildenbrand seinen Kunden zu ihren Fensterläden einen Produktpass, der Auskunft gibt über den Naturverbrauch für das Produkt, ausgedrückt in Geldbeträgen. „Da das MIPS-Konzept nicht zwischen gesundheitsschädlichen und unproblematischen Rohstoffen und Materialien unterscheidet, haben wir diese Informationen ergänzt und in unsere Bewertung einbezogen“, erläutert Hildenbrand den „Zukunftspass“. Er dient als wichtiges Instrument zur Kundeninformation und -bindung: „Der Zukunftspass hilft, den Unterschied zu anderen Anbietern zu verstehen. Wer nur auf den Preis schielt, ist kein Kunde für uns“, so Hildenbrand